Spread the word – Paul Clayton

Posted by AmaPola Category: Category 1, Spread the word

Unter der Kategorie „Spread the word“ stelle ich andere Künstler vor, die mich inspirieren.

Über Paul Clayton habe ich im Frühling 2o17 diesen Text verfasst, als er gerade dabei war, seine erste EP zu veröffentlichen.

https://www.paulclaytonmusic.com

WARUM er sich Paul Clayton nennt, frage ich ihn gerade per Facebook-Messenger. Mal sehen was er darauf antwortet.

Kennengelernt haben wir uns im Januar im Theater Drehleier in München. Da hat er gespielt, da hat man aber immer nur sechs Minuten Zeit, sich zu präsentieren. Reicht, mag man meinen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.

Reicht aber nicht. Viel wichtiger waren da die anderen sechs Minuten, in denen wir geratscht haben vor der Klotür. Ganz unprätentios kommt er rüber, der Paul, der im anderen Leben Fabian heißt. Nein, nicht im wahren Leben, denn das was er da macht, ist so ziemlich das wahrste Leben, das man sich so vorstellen kann. Er ist schlanke 23 Jahre alt, hat bereits ein BWL-Studium absolviert und erfahren, wie der Arbeitsalltag in einem Büro so aussieht, Projektmanagement in der Automobilbranche.  Ich kenne ja durchaus viele Leute, die früh angefangen haben zu arbeiten und  fast noch früher angefangen haben, sich über den Arbeitsalltag zu beschweren. Nicht so er.

Aber das weiß ich nicht von den sechs Minuten vor’m Klo.

Letzte Woche war ich zu Gast in Regensburg. Da sind wir uns erneut über den Weg gelaufen, und waren sogar für einige Minuten Konkurrenten im Song Slam Battle. Dass sein Applaus meinen dezent übertönte, gab mir die Chance, bei dem Finallied „Follow you“ des Singer/Songwriters mal genauer hinzuhören. Eher leise Töne, sagt er selber, rhythmisch und durch seine bis in den letzten Winkel des knallvollen Saals durchdringene Stimme nicht der typische Balladencharakter. Eher Augen zu und mit dem Kopf mitwippen oder mitnicken würde ich sagen.

Ich wusste ja schon, dass er aus Augsburg kommt, nicht der nächste Weg also nach Regensburg. Auf die Frage hin, wie er denn heute heimkäme, sind wir ins Gespräch gekommen. Er könnte heute couchsurfen, weil der letzte Zug ja doch knapp werden würde. Ich hab ihm das moralisch absolut unbedenkliche Angebot gemacht, bei uns zu schlafen, wieder mal so ’ne Bauchentscheidung, die wie immer die Gute war.

Auf dem Heimweg erzählt er mir von seinem Job. Dass er gerne gearbeitet hat und es gar nicht so war, dass er schon nach kurzer Zeit vom Arbeitsalltag gelangweilt gewesen wäre. Dass aber irgendetwas in ihm entschieden hat, nicht genau so weiterzumachen. Sondern ein anderes wahres Leben zu leben.

Im Oktober 2016 hat er also alles stillgelegt und ist auf die Straße gegangen. Wahrscheinlich erstmal nach Kempten. Da spielt er am liebsten. So habe ich auch verstanden, woher diese Stimme kommt. Das ist nämlich eine Stimme, an der nicht vorbeigegangen werden soll:

Im April 2015 stand er zum ersten Mal auf der Straße in Kempten. Dieser Auftritt war wohl der wichtigste, den er bisher mit seiner Taylor, die seit circa fünf Jahren sein wichtigster Begleiter ist, gespielt hat. Kempten ist sowieso sein wichtiger Ort, an den er immer zurückkehrt. Die Straßen bringen ihm nicht nur fröhliche Erinnerungen, aber wo wären wir Songwriter, wenn wir nicht auch ab und zu gerne im Schmerz schwelgen würden…? Kempten ist sein Ort. Punkt. Nicht: Der Ort, an dem… Oder Der Ort, wo ich…

Sein Ort eben. So wie jeder ihn sucht und braucht und oftmals nie kennenlernt. Er hat ihn schon.

Ob er verletzt wurde? Ja, sehr, sagt er, und wird dabei sehr ernst. Viel älter wirkt er als 23 und wieder einmal lerne ich über die Relativität der Zeit, des Alters. Er erinnert mich an mich, an meine Reise. Ich spüre die Entschlossenheit, als er erzählt, dass er jetzt erstmal seit Oktober von seiner Musik lebt.

Heute in Regensburg hat er natürlich den Tag gut genutzt und erst auf der Straße gespielt, bevor er in die Alte Mälzerei gefahren ist.

„Das mit der Straße… „, sagt er, und schaut dabei nach oben, schüttelt leicht den Kopf. Ein trauriges Lächeln huscht über sein Gesicht, das nur von den Lichtern entgegenkommender Autos ab und an erhellt wird. Dieses Lächeln zeugt davon, dass er schon das eine oder andere Mal in Rechtfertigungsnot gekommen ist. Vor Leuten, die so ein Leben halt nicht verstehen. Die vielleicht lieber über die Arbeit abkotzen, und verzweifeln und krank werden, bevor sie was ändern. Von Paul Clayton lerne ich, dass man gar nicht erst outgeburned oder -gebored sein muss, um sich für seinen Traum zu entscheiden.

„Das mit der Straße… Das versteht immer keiner. Das gibt mir was, das ist einfach unbeschreiblich. Schau zum Beispiel heute in Regensburg. Da steh‘ ich so stundenlang an einem Fleck. Nix. Alle Leute gehen einfach weiter. Und dann spiel ich „Here’s looking at you kid“ von The Gaslight Anthem und da kommt einer auf mich zu, und sagt: „Hey, ich bin auch so ein Riesenfan von der Band, und jetzt spielst du das… Das hat meinen Tag gerettet.“

Auf einmal geht ein Fenster auf und ich rechne fest damit, dass ich jetzt Anschiss krieg, dabei sind hinter dem Fenster zwei Mädels, die besser zuhören können wollen und dann schmeißen die mit sogar am Ende noch zwei Euro runter. So ist das auf der Straße. Du weißt nie, was passiert. Das ist schon Wahnsinn.“

Das mit dem Geld ist auch so ’ne Sache. Ich frage ihn, wo er denn immer so unterkommt, wenn er umhertingelt. Neben seinen vielen Straßenauftritten, die ihn bereits bis weit über die Landesgrenzen hinaus geführt haben, zum Beipiel nach Brighton in England, aber auch nach Italien und Frankreich, finde ich auf Youtube eine Menge Videos von Auftritten in Frankfurt, Hannover, Köln und Ulm. Der Typ wird immer interessanter. Er sagt, meistens schlafe er bei Freunden, oder er mache eben Couchsurfing. Ist auch besser, für eine Übernachtung in einem Hostel zahlt man Minimum 25 Euro. „Mit 25 Euro komme ich normalerweise einen ganzen Tag aus, mit Essen, Zug und so weiter.“

Ich erinnere mich an das unvergleichbare Gefühl der Dankbarkeit, wenn man abends in einem Bett liegt, egal in was für einem, Hauptsache man hat eine Decke und idealerweise auch noch ein Dach über dem Kopf… Ich denke plötzlich daran, wie leichtfertig ich oftmals 25 Euro ausgebe. Weil ich es mir leisten kann, nicht auf den Preis zu schauen, geht Einkaufen bei mir meist schnell. Ich habe keine Angst, dass das Konto nicht gedeckt ist, wenn die Miete abgebucht wird. Dass ich damals unglücklicher war, als ich diese Sicherheit noch nicht hatte, könnte ich keinesfalls bestätigen.

Die Reisenden verbindet stets das Vertrauen, wo unterzukommen, die Klarheit, dass alles, was über den heutigen Schlafplatz hinausgeht, zu weit gedacht ist. Plötzlich ist mir ganz egal, dass daheim nicht aufgeräumt ist und das „Bett“, dass ich ihm versprochen habe eine alte Schlafcouch ist, die mein Schwager letztes Jahr vollends durchgelegen hat. Es wird ok sein. Und ich muss mich echt mal wieder locker machen…

Ach, jetzt antwortet der Fabi ja doch noch auf die Frage, warum er sich Paul Clayton nennt.

Paul wegen Paul McCartney. Hab wegen den Beatles mit Gitarre angefangen als kleiner Junge. Clayton ist der zweite Vorname von John Mayer. Meinem größten Idol.

3 Fragen zum Schluss: 

1. Welches ist das nächste Konzert, auf das du gehst und welches war das letzte?

Als nächstes: Dave Hause im Strom in München

Das Letzte: Deines gestern:-)

2. Welchen Lebenstipp gibst du jemandem, der traurig ist?

Puh, die Frage stellt du genau am richtigen Tag. Hänge grade selber durch und bin der falsche um einen guten Tipp zu geben…

3. Welches deiner eigenen Lieder ist dein Lieblingslied

See you around.

Also, den Paul Clayton seht ihr sicher mal around, seine Daten, Musik zum  Download (darunter mein Lieblingslied: Follow you ) findet ihr auf

www.paulclaytonmusic.com

 

 

Nachwort am 28.o3.2018 (also ein gutes Jahr später):

Ich habe den Paul gefragt, ob er mal mit mir ins Tonstudio gehen will.

Klar.

So wurde er Teil von #projekttraumtänzer

Die Gitarre gleich im ersten Lied namens Wimpernschlag von der ersten EP „Traum“  hat er eingespielt. Außerdem war er beim EP-Release-Konzert im Cord Club mit auf der Bühne. Mal sehen, was sich noch so ergibt.

Eure Ama

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>